Scherzis gehen zu Herzen
Konzert: Gastspiel zum 100-jährigen Bestehen der Mechenharder Eichtracht – 500 Besucher zum Tournee-Auftakt in Frankenhalle
Der Gesang- und Musikverein Eintracht Mechenhard, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiert, hat am Samstagabend beim Konzert zum Jubiläum mit Anton Gälle und seiner Scherzachtaler Blasmusik in der seit Januar ausverkauften Erlenbacher Frankenhalle rund 500 Gästen und sich selbst ein wunderbares Geburtstagsgeschenk gemacht.
Die »Scherzis« ließen den von nah und fern herbeigeströmten Fans der böhmischen Blasmusik das Herz aufgehen. In Erlenbach gaben sie den Auftakt ihrer diesjährigen Tour, die das bekannte Blasorchester auch heuer wieder auf die Hauptbühne beim »Woodstock der Blasmusik« führen wird. Mit entsprechend viel Elan und alle mitreißender Spielfreude zum Eröffnungsmarsch »Obrigado« kamen die 19 Musiker mit ihrem musikalischen Leiter Anton Gälle aus der Winterpause.
Böhmische Lebensfreude
Mit vielen schönen »Böhmischen Momenten« - so heißt auch eine neue Polka im Repertoire der Kapelle - begeisterten die Musikanten, teilweise vom Gesangsduo begleitet, mit ihrer Leidenschaft für die Musik, die die Zuhörer in jedem Lied, Polka oder Walzer, spüren konnten - genauso wie die Energie und Lebensfreude, die die böhmisch-mährische Blasmusik im Allgemeinen und die Interpretationen der Scherzachtaler im Besonderen auszeichnen: Mit dem melodiösen, einnehmenden Sound von jeweils zwei Tenorhörnern und Baritonen, der spielerischen Bravour der zwei Klarinetten, der Strahlkraft von sechs Flügelhörnern, Kiechles glänzende Signal-Trompete und der in jedem Stück richtig groovenden Rhythmusgruppe aus zwei Tuben, drei Posaunen und einem perfekt mitgehenden Schlagzeuger.
Das Orchester aus dem Großraum Ravensburg beließ es bei nur wenigen bekannten, vom Publikum umso mehr gefeierten Klassikern wie »Gablonzer Perlen« und die Polka »Auf der Vogelwiese«, die natürlich nicht fehlen durfte. Zum weit überwiegenden Teil der gut 30 Titel wurden - mitunter brandneue - Eigenkompositionen präsentiert.
Halsbrecherische Soli
Kein Wunder, verfügt das Blasorchester in seinen eigenen Reihen doch über so hervorragende namhafte Komponisten und Arrangeure wie Norbert Gälle (»Mondlicht-Polka«), Anton Gälle (»Meine Liebe - die Musik«), Berthold Kiechle (»Kleine Lena«) und Mathias Gronert, dessen »Polka mit Herz« und Beifallsstürmen beim Publikum voll ins Schwarze traf.
Das große Können der Schwaben zeigte sich insbesondere in den teilweise halsbrecherischen Solisten-Stücken wie dem »Tubagalopp« von Frank Seitz, der auch als Ansager mit seinen Witzen die Sympathien schnell auf seiner Seite hatte, der »Virtuospolka« von Klarinettist Joachim Amann, Alexander Jauch mit seinem Tenorhorn-Solo und vor allem Berthold Kiechle, ein begnadeter Trompeter, der mit Leonard Cohens »Hallelujah« an seinem Flügelhorn Gänsehautmomente lieferte.
Die beiden Tuba-Spieler tanzten auf ihren Stühlen und das Publikum klatschte stehend, als gegen 21.30 Uhr live und im Original die Polka »Böhmischer Traum«, der erfolgreiche Mega-Hit der Scherzachtaler, erklang - am Bariton der Bruder des Orchesterchefs und Komponist dieses blasmusikalischen Ohrwurms: Norbert Gälle.
Erst nach der Polka »Gute Nacht« und mehreren Zugaben endete um kurz vor Mitternacht dann ein grandios guter Blasmusikabend, der den anwesenden Musikfreunden noch lange in den Ohren klingen wird.