Tausend Takte für einen Tonträger

Blasmusik: Vier Kapellen aus dem Kreis Miltenberg spielen im Sodener Bürgerhaus gemeinsame CD ein – Drei Tage harte Arbeit

 

Sonn­tag­mor­gen, 9 Uhr. »Auf­nah­me läuft!«, kom­man­diert Ton­meis­ter Ot­to Först über ei­nen Laut­sp­re­cher. Di­ri­gent Mar­cus Greim gibt den Takt vor, und die 25 Mu­si­ker aus Me­chen­hard le­gen los - ein­ein­halb Stun­den spä­ter ist das Stück »Pol­ka­f­reu­de« im Kas­ten.

Im Sodener Bürgerhaus, das drei Tage lang als Tonstudio diente, haben vier Blaskapellen aus dem Landkreis Miltenberg von Freitag- bis Sonntagabend harte Arbeit geleistet. Zusammen mit den Sodenthaler Musikanten und den Musikvereinen Schneeberg und Collenberg hat die Musikkapelle Eintracht Mechenhard mit dem Tonstudio Först aus Rehau eine CD aufgenommen.
»1000 Takte Blasmusik«, so der Titel der Gemeinschaftsproduktion, für die jedes Orchester jeweils drei Nummern einspielte. Greim hat seine Musiker in den Proben über viele Wochen vorbereitet und jedes Detail der Musikstücke einstudiert, damit in Sachen Rhythmik und Dynamik am Tag der Aufzeichnung alles sitzt: »Live wird ein Stück einfach durchgespielt. Wenn wir es auf CD konservieren, kommt es auf jeden Ton an«, erklärt er.


Sechs Wiederholungen
»Immer volle Konzentration!«, motiviert der Tonmeister die Musiker, bevor die Aufzeichnung von »Polkafreude« beginnt. Nach der sechsten Wiederholung sind Först und Tontechniker Rüdiger Dietz mit dem ersten Abschnitt zufrieden, der Trio-Teil mit dem Melodiesolo von Tenorhorn und Bariton sitzt bereits nach zwei Durchläufen.
Regelmäßig müssen die Spieler bei Intonationsproblemen ihr Instrument nachjustieren. »Ton ab!« Först drückt wieder den Aufnahmeknopf, hört aufmerksam zu, beobachtet die Tonspuren auf dem Bildschirm, blickt in die Partitur. Bei kritischen Stellen macht er sich Notizen.
»Marcus, kommst du mal runter«, zitiert er den Orchesterchef einen Stock tiefer, wo die Aufnahmetechnik aufgebaut ist. Dort beratschlagen die Fachmänner, welche Harmonien noch besser gehen, welche Passagen noch genauer kommen müssen. Hier sind es die Flügelhörner, dort die Klarinetten, die nicht zusammenlaufen. »Das brauchen wir noch mal, bitte.«
Das moderne Stück »When you believe« aus dem Musical »Der Prinz von Ägypten« spielt die Kapelle in einem Stück ein. Nach drei Durchgängen ist die Popballade im Kasten. »Ihr macht das sehr schön! Das Orchester hat einen guten Sound«, lobt Först. »Wenn es nicht klingt, hilft auch die beste Technik nichts«, weiß der erfahrene Aufnahmeleiter.
 

Auf Timing kommt es an
Wenn mal ein Anstoß missrät oder ein kleiner Hickser stört, »können wir das schneiden«, erklärt Dietz. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Tempo stets gleich bleibt. Auf Timing und Synchronität kommt es an, damit das Stück nicht »einlahmt«.
Die Register sitzen deutlich getrennt voneinander. Einzeln oder paarweise nehmen die im Raum installierten Mikrofone die Stimmen ab, damit die Instrumente möglichst getrennt aufgenommen werden. Der Schlagzeuger sitzt separat mit Blickkontakt zum Dirigenten in einem abgetrennten Teil des Raumes. Über Kopfhörer bekommt er die anderen Tonspuren auf die Ohren, vier Mikrofone fangen den Rhythmus ein.
Nach der Kaffeepause ist der Ansatz der Bläser beim dritten Titel schon recht strapaziert. Da ist das Bass-Solo der Scherzachtaler-Polka »Euch zum Dank«, das zum Schluss eingespielt wird, nicht nur fürs tiefe Blech eine Herausforderung.
»Für uns Musiker war das CD-Projekt eine tolle neue Erfahrung«, sagt Vorsitzender Werner Hennesthal mit einiger Vorfreude auf das Resultat nach der gut vierstündigen Aufzeichnung. Die Hauptarbeit kommt für Akustik-Experte Först aber noch. In seinem Tonstudio im oberfränkischen Landkreis Hof werden die Rohaufnahmen professionell bearbeitet, geschnitten, abgemischt und die letzten Akzente gesetzt. Erscheinen soll »1000 Takte Blasmusik« mit den vier Blasorchestern aus dem Musikverband Untermain im Frühjahr 2017. Benjamin Bohlender

Drei Nummern spielen die Eintracht-Musiker für die CD »1000 Takte Blasmusik« ein, die das Tonstudio Först aus Rehau mit den Musikvereinen Mechenhard, Collenberg, Schneeberg und Soden im Frühjahr 2017 herausbringen wird. Foto: Benjamin Bohlender